Zusammenfassung der Ansprache des Abends: >>>stichwort - Freude am Leben, vom 3. Mai 2002


In unserer Zeit wird oft Freude mit Spaß verwechselt. Spaß kann man machen, Freude nicht. Alles muss Spaß machen, auch das Leben, sonst ist es nichts wert. Spaß wird zum Lebensinhalt, zum Sinn des Lebens, und wenn das Leben keinen Spaß macht, scheint es sinnlos und leer.


Aber da ist doch so viel anderes im Leben, was wichtig, nötig und wertvoll ist: Schule und Arbeit, Verantwortung und Auftrag, Treue und Fürsorge, auch Schweres, Krankheit, Verlust, Leid, Alter, Schwachheit. Das macht vielleicht keinen Spaß, muss aber doch nicht ohne Freude bleiben. Diese Freude ist viel mehr als Spaß. Sie ist nicht käuflich. Die Fähigkeit sich freuen zu können und Freude auszudrücken, hat Gott von Anbeginn in jeden Menschen hineingelegt.

Freude ist eine der schönsten Gaben Gottes. Die Aufforderung: Freue dich!/Freut euch! findet sich an sehr vielen Stellen in der Bibel. Gott will, dass wir uns freuen, dass wir Freude erfahren und Freude schenken. Der Himmel wird als ein Raum der unbeschreiblichen Freude geschildert. Freude, dieser göttliche Lebensfunke macht das Leben hell und warm.


Echte Freude ist immer ein Geschenk. Man kann sie nicht erzwingen, sondern nur erbitten von dem, der sie geschaffen hat, von Gott. Er allein kann die Grundlagen für eine tiefe und dauerhafte Freude schenken.

Wie kommen wir an dieses Geschenk? Wenn wir Kind werden. Zwar ist es uns nicht möglich, die Jahre zurückzudrehen, die Entwicklung umzukehren, aber auch mit dreißig, fünfzig oder siebzig kann man Kind Gottes werden. "Seht, welche Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen und wir sind es auch." So sagt es der alt gewordene Jünger Johannes. Wer Gottes Kind ist, weiß sich geborgen und geliebt, der erfährt immer neu Gottes wunderbare Zuwendung und kann auch im schwersten Leid voll Hoffnung in die Zukunft schauen und Gutes erwarten. Unsere Sehnsucht und Suche nach Freude ist im tiefsten Grund Sehnsucht und Suche nach Gott, nach dem "Freudenmeister", wie Jesus in einer Liedstrophe einmal genannt wird. Der Theologe und Psychologe Fritz Leist schreibt in dem Buch "Gesundheit und Krankheit der Seele": "Im Suchen nach tragender Freude suchen wir nach Sinn und Geborgenheit." Wir suchen den, der Geborgenheit schenkt, der Freude austeilt, der liebt, der uns trotzdem liebt und der uns in der dunkelsten Nacht Hoffnung auf eine wunderbare Zukunft gibt.


Echte und tiefe Freude am Leben, die im Leid nicht zerbricht, die Not und Kampf aushält, kann uns nur Gott geben. "Gott will, dass wir fröhlich seien und er hasst die Traurigkeit. Denn wenn er wollte, dass wir traurig sein sollten, gäbe er nicht Sonne, Mond und die Früchte der Erde; dann gäbe er Finsternis, ließe nicht mehr die Sonne aufgehen und den Sommer zurückkehren." (Martin Luther) Schon im Schöpfungsgeschehen ist die Freude Gottes zu entdecken. Wenn wir es nicht verlernt haben, können wir immer noch in den Spuren Gottes, die wir in der Natur entdecken, den Reichtum seiner Freude finden.

Aber Gott lässt es damit nicht genug sein. Er will uns seine Freude noch viel näher bringen. Bevor der Engel in der Heiligen Nacht die Geburt Christi verkündigt, redet er von Freude: "Fürchtet euch nicht! Denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird:" Ursache dieser Freude: Euch ist heute der Heiland geboren. Gott bringt seine Freude persönlich auf diese Erde. Er wird selbst Kind, damit wir auch den Mut haben und die Freiheit, sein Kind zu werden. Das erste Mal wird uns diese Freude groß, überwältigt uns, wenn der Heiland Jesus Christus in uns geboren wird. Wenn wir ihn als unseren Retter und Erlöser annehmen. Wenn wir seinen Zuspruch der Vergebung aller unserer Schuld erfahren, annehmen und glauben.

Jeder, der diese Geburt, diesen Neubeginn in sich erlebt wird erfüllt von einer ganz tiefen Freude, die sich mit keiner anderen Freude dieser Welt vergleichen lässt: Ich bin angenommen und geliebt."Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte." Alles, was in meinem Leben an Schuld und Versäumnissen da war, ist ausgelöscht. Gott wendet sich mir zu in Jesus, heilt meine Verletzungen. Er sorgt für mich, was auch kommt, rr hat Zukunft für mich. Eine Zukunft voller Freude, gegen die alle Freuden dieser Welt klein werden. Zukunft die nie zur Vergangenheit, aber einmal eine Ewigkeit lang zur Gegenwart wird.

Das ist die Grundlage und Basis der Freude im Leben eines Christen: Der Freudenmeister, Jesus, der Nährboden, in dem ich wurzeln darf und aus dem ich meine Freude beziehe. Jeder Blick zum Kreuz sagt mir neu: Ich bin erlöst. Mein Heil, meine Rettung ist geschehen im Auftrag Gottes durch Jesus Christus. Die Osterbotschaft reißt mich aus Todes- und Trauermächten, denn Jesus hat den Tod besiegt.


Nur wer an die Auferstehung glaubt, hat einen lebendigen Gott, hat Grund zu der Freude, dass nichts ihn aus der Hand Gottes reißen kann. Auch kein Tod! Das ist der erste Schritt im Glauben, dass das für mich selbst zur Tatsache wird: Jesus Christus ist für mich gestorben und auferstanden. Er hat alle Macht im Himmel und auf der Erde und in meinem Leben. Seine Liebe und Fürsorge gilt mir. Ob ich lebe oder sterbe, ob es mir im Augenblick gut geht oder schlecht, ich bin in seiner Hand, von seinen guten Mächten wunderbar geborgen.

Das gilt auf einem sinkenden Schiff, in einem abstürzenden Flieger, in einem schleudernden Auto oder einem brennenden Haus, in der Gewalt eines Geiselnehmers oder zwischen den Überwachungsgeräten einer Intensivstation. Das trägt auch durch Wirtschaftskrisen, Existenzängste und in Familientragödien. Das Vertrauen, der Glaube, der durch Erfahrung zur Gewissheit geworden ist: Ich bin geliebt und angenommen von Gott. Es kann mir nichts geschehen, als was Er hat ersehen… Die dunklen Tage gibt es noch. Auch wer glaubt, wird krank und alt, erlebt Enttäuschungen und Schrecken, aber der große Vorzug des Glaubenden ist, dass er nicht alleine damit fertig werden muss. Wer glaubt, weiß von dem Versprechen des Herrn Jesus: Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende. Und wer dieses Versprechen glaubt, kann auch die langen Nächte durchstehen und zuversichtlich in schwierige Tage gehen.


Diese Freude hat sich bewährt in den Verfolgungszeiten der ersten Christenheit, in Gefängnissen und auf Krankenlagern. "In dir ist Freude in allem Leide" klingt es aus einem Gesangbuchlied. Es ist eine trotzige Freude, eine "trotzdem" Freude. Auch wenn ich nach menschlichem Ermessen nichts zu lachen habe, kann ich mich trotzdem freuen. Auch wenn ich leide, bin ich geliebt. Auch wenn um mich her die Hölle los ist, bin ich geborgen. Auch wenn ich von allen Menschen verlassen bin, ist mein Herr für mich da und sorgt für mich. Auch wenn die Zukunft finster und bedrohlich aussieht, weiß ich doch, dass ich eine herrliche Zukunft habe durch Jesus Christus. Ist das nicht zum Freuen?

Nur so ist es zu begreifen, dass er Apostel Paulus aus dem Gefängnis an die Gemeinde in Philippi schreiben kann: "Freut euch, dass ihr zu Jesus Christus gehört. Und noch einmal will ich euch sagen: Freut euch! Jeder soll eure Güte und Freundlichkeit erfahren. Denn: Der Herr kommt bald! Macht euch keine Sorgen! Ihr dürft Gott um alles bitten. Sagt ihm, was euch fehlt und dankt ihm." Wir dürfen Gott um alles bitten! Das ist kindlicher Glaube, kindliches Vertrauen auf Gott. Kind Gottes darf sein, wer an Jesus Christus glaubt. Wer Jesus als den annimmt, der er nach dem Willen Gottes ist. Retter, Erlöser, Erbarmer. Das gilt für große und Kleine, selbst für Politiker. Von dem äthiopischen Finanzminister, der nach einem Gespräch mit Philippus an Jesus glaubte und sich taufen ließ, schreibt die Apostelgeschichte: "Und er zog fröhlich seine Straße." Kinder Gottes dürfen ihre Straße fröhlich ziehen.

Jede Suche nach Freude ist letztlich die Suche nach Gott. Er ist die Quelle der Freude. Nur er kann alles beseitigen, was die Freude hindert. Was hindert sie denn? Steht ihr vielleicht Schuld im Weg? - Niemand, der ein beladenes Gewissen hat, kann sich wirklich freuen. Verdrängte Schuld verdrängt auch die Freude aus dem Leben. Also muss zuerst die Schuld eines Lebens beseitigt werden, damit Freude einziehen kann. Es braucht immer von neuem die Erfahrung der Vergebung, den Zuspruch Gottes: Dir sind deine Sünden vergeben. Es gibt diesen Zuspruch für jede Schuld. Durch Jesus, der die Schuld der Welt, auch unsere Schuld, auf sich genommen hat. Er lädt ein die Schuld zu ihm zu bringen und beseitigen zu lassen. Er sagt: "Im Himmel wird Freude sein über jeden Sünder, der Buße tut". Über jeden, der seine Schuld bringt, bekennt und die Vergebung annimmt. Die Freude bleibt dann nicht auf den Himmel beschränkt. Sie kommt mit der Vergebung in unser Leben. Mit ihr kommt auch die Erfahrung der Liebe Gottes. Warum sonst sollte mir Gott vergeben, wenn nicht aus Liebe. Liebe annehmen heißt Geborgenheit erfahren. Die tiefe Freude kommt aus der angenommenen Liebe Gottes, aus dem Gottvertrauen, aus der Geborgenheit im Glauben. Das ist Freude, die stark macht, die auch im Leid nicht verloren geht. Die Freude, die aus dem Glauben kommt, ist nie zu Ende. Sie hat immer Ziele, sie hat immer Hoffnung, sie wird von außen her erneuert, von Gott her.

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