wert voll leben (Nov. '02)

>>>stichwort:
wert voll leben

Lieder - Szenen - Gottes Wort
30. November 2002

Ansprache als
CD bestellen

Werte, Wertvorstellungen, Werteverlust. Was hat Wert im Leben? Ist mein Leben noch was Wert? - Rund 1100 Besucher ließen sich an den zwei Abenden auf diese Fragen ein, kamen ins Evang. Gemeindehaus zu den Veranstaltungen der neuen >>>stichwort-Reihe der Evang. Jugend Bayreuth/Gruppe Luther.

In dieser neuen Veranstaltungsreihe werden zweimal jährlich Themen aus der Lebenswelt aufgegriffen, und unter dem Blickwinkel des christlichen Glaubens beleuchtet. "Szenen, Lieder, Gottes Wort" werden da angekündigt. Unter dem Stichwort "wert voll leben" ging es dann auch zur Sache, in Liedern, die ein knapp 50köpfiger Chor junger Erwachsener und die Solosänger Gisela Streng und Bernd Simon vortrugen, ansprechend von einer kleinen Band begleitet, in einem Anspiel mit Erhard Steinlein und Uli Berger und in einer Ansprache von Pfr. Martin Schöppel (Kreuzkirche Bayreuth).

Es war keine leichte Kost was das Publikum da zu hören bekam. Mit dem Niedergang der alten biblisch begründeten Werte erhöben sich Toleranz und Individualismus zu höchsten Werten. Gott würde entthront und der autonome Mensch nimmt selbst seinen Platz ein. Dabei gälte laut Schöppel zu bedenken, dass die allseits so gepriesene Toleranz an sich überhaupt kein Wert ist. Toleranz ist ein Scheinwert, denn so wie man sie in unserer Gesellschaft versteht, führe sie immer zur Entwertung der Werte. Toleranz heißt doch für viele: Jeder kann und soll so leben, wie es ihm gefällt. Toleranz ist die Aufhebung jeder Be-Wertung. Niemand hat einem anderen da hineinzureden. Auch Gott nicht.

Die Folgen: Der Wertewandel wurde und wird in den Gesetzen festgeschrieben. Im Ehe-, Familien-, und Scheidungsrecht, der Schutz des Sonntags wurde aufgehoben, der Buß- und Bettag abgeschafft. In Wissenschaft und Technik gibt es keine ethischen Grenzen oder Tabus mehr. Allein in der Bundesrepublik werden mehr als 150.000 Abtreibungen jährlich durchgeführt, 500 Kinder werden so täglich mit staatlicher Billigung getötet. In der Euthanasiedebatte setzt sich diese Entwicklung fort. Das Leben ist verfügbar geworden und der Tod auch. Die autonomen Egomanen sehen nur sich selbst und den Augenblick. Sie wollen keine Verantwortung übernehmen, weigern sich Opfer zu bringen und Leid zu tragen. Parallel dazu wächst die Kriminalität und die Gewaltbereitschaft nimmt zu. Lüge und Betrug werden bagatellisiert.

Und warum das? Schöppel ist der Überzeugung, dass uns die steuernde Kraft von außen fehlt. Die Erde kann nur bestehen, weil eine gewaltige Kraft von außen auf sie einwirkt. Die Anziehungskraft der Sonne hält sie in der Bahn, so bekommt sie genug Licht und Wärme. Würde sich die Erde von der Sonne trennen, aus der vorgegebenen Bahn ausscheren, dann wäre sie in kürzester Zeit verloren. So ist der Mensch, so ist die Gesellschaft, die sich von Gott und den von ihm gesetzten Werten löst früher oder später am Ende. Unsere Gesellschaft ist sich selbst zum Maßstab geworden. Nur wer sich anpasst, mitmacht, ist In. Wer sich Werte außerhalb dieses Systems sucht, ist Out. Gebote, Kirche, Bibel sind zu Tabus geworden. Wer die Heilige Schrift ernst nimmt, wird schnell als Fundamentalist abgetan.

Das hat menschliche Folgen: Die Schwachen sind die Verlierer. Der gesellschaftliche und wirtschaftliche Druck nimmt immer mehr zu. Nur wer jung ist und rücksichtslos mit sich und anderen umgeht, hat Chancen. Es gibt immer mehr Verlierer, die keinen Halt mehr haben. Ist das die erträumte Freiheit?

Aber Schöppel bleibt nicht bei dieser negativen Weltsicht, er gibt zu bedenken, dass sich der Schöpfer nach Fertigstellung seines Werks nicht verabschiedet hat, um in den Tiefen des Universums zu verschwinden. Gottes Liebe zu uns sei so groß, dass er selbst als Mensch zu uns kommt. In Jesus Christus zeigt und sagt er uns, was für ihn Liebe bedeutet, nimmt Kinder auf den Arm und segnet sie, wendet sich den Kranken und Behinderten zu, setzt sich ein für Ausgestoßene und Verachtete. Er ruft Mühselige und Beladene zu sich, um sie zu stärken. Er vermittelt allen ein neues Gottesverständnis, das nicht vom Gesetz, sondern von Liebe und Vertrauen geprägt ist. Er hebt die Gebote nicht auf, sondern bestätigt sie. Er macht Vergebung und Versöhnung möglich. Selbst am Kreuz hält er die Liebe durch. Jesus hält das Böse, das ihm geschieht aus und überwindet es. Er trägt die Schuld der Welt, auch unsere. Nur Liebe von göttlicher Qualität hält das aus. Und dafür stünde das Zeichen des Kreuzes, für eine starke Liebe, die selbst vom größten Hass nicht ausgelöscht werden kann. Und noch einmal der Mahnruf Schöppels: "Wir sollten uns diese Liebe und ihr Zeichen nicht nehmen lassen von Menschen, die es nie verstanden haben. Kreuze sollten nicht nur aus Prinzip in unseren Klassenzimmern, Schulen und öffentlichen Gebäuden hängen, sondern sie müssen wieder verstanden und verinnerlicht werden." Denn unter dem Kreuz wird das Leben wertvoll. Da fängt man an zu begreifen: So wertvoll bin ich, dass einer sein Leben für mich gibt! Gott selber bezahlt dort für mich, macht mich frei. Freiheit ist wirklich ein hoher Wert, aber nur die Freiheit, die sich unter Gott und seinen Willen stellt, die ihre Kraft aus der totalen Bindung an Gott erhält. Freiheit in Verantwortung vor Gott.

An die hundert ehrenamtliche Mitarbeiter hatten die Veranstaltung durch ihren Einsatz ermöglicht, ihnen dankte die Moderatorin Christiane Nützel am Schluss.